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Lernen ist Informationsverarbeitung

Die »Kognitive Wende«

Übersicht
1.0 Der wissenschaftsgeschichtliche Rahmen
      1.1 »Kognition« und »kognitive Psychologie«
      1.2 Vom Behaviorismus zum Kognitivismus – ein Paradigmenwechsel
      
2.0 Kognitionswissenschaft/kognitive Psychologie
      2.1 Der wissenschaftstheoretische Ansatz
      2.2 Die Kernaufgabe
     
2.3 Denken und Sprechen 
      2.4 Konsequenzen für das Verständnis von Lernen
3.0 Literaturnachweis
Anhang: »Kognition«

1.0 Der wissenschaftsgeschichtliche Rahmen

1.1 »Kognition« und »kognitive Psychologie«

Ulric NEISSER leitet sein Buch »Kognition und Wirklichkeit« mit folgenden Worten ein (1996, S. 13).

„Kognition ist die Aktivität des Wissens:
 der Erwerb, die Organisation und der Gebrauch von Wissen; 
etwas, das Organismen tun, und insbesondere etwas, das Menschen tun. 
Deshalb ist Kognition ein Teil der Psychologie
 und sind Kognitionstheorien psychologische Theorien.“
(Weitere Definitionen im Anhang)

Sein 1967 erschienenes Buch »Cognitive Psychology« hat »kognitive Psychologie« zum Begriff werden lassen. Als deren Hauptziel bezeichnet er die Analyse „geistiger Prozesse“, also kognitiver Prozesse. Die frühe wissenschaftliche Psychologie bediente sich dazu einer Methode – Introspektion –, deren Ergebnisse nicht befriedigen konnten, weil sie der Lebenswirklichkeit nicht gerecht wurden. Anders gesagt: Sie waren – mit den Worten von Egon BRUNSWIK (1956) – ökologisch nicht valide (NEISSER 1996, S. 13). Dazu NEISSER (1996, S. 14):

„Menschen werden das, was sie sind, durch das Aufwachsen in einer bestimmten Kultur und einer bestimmten Umwelt, aber die Introspektionisten hatten keine Theorie der kognitiven Entwicklung.

Menschen werden durch Motive getrieben, die sie nicht verstehen, und durch Erfahrungen geformt, an die sie sich nicht erinnern können, aber es gab keine Theorie über unbewusste Prozesse.

Menschen handeln aufgrund dessen, was sie wissen, und werden durch die Folgen ihres Handelns beeinflusst, doch es gab keine ernstzunehmende Theorie des Verhaltens.“

Psychoanalyse und Behaviorismus waren die Antwort auf diese Defizite. Motivation, Emotion und Verhalten wurden die neuen Brennpunkte der psychologischen Arbeit. Der Behaviorismus stieg zur führenden Denkrichtung der Psychologie auf. Weiterführende Information dazu finden Sie auf der Webseite „Lernen ist Verhaltensänderung – Grundzüge des Behaviorismus“.

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1.2 Vom Behaviorismus zum Kognitivismus – ein Paradigmenwechsel

Trotz eindrucksvoller Leistungen des Behaviorismus war um die Mitte des 20. Jahrhunderts immer deutlicher geworden, dass diese Theorie wegen ihres wissenschaftstheoretischen Rigorismus die mentalen Vorgänge beim Menschen nicht überzeugend erklären konnte. Philip G. ZIMBARDO bringt das auf den Punkt (1988, S. 228):

„Behavioristen konzentrieren sich allein auf nach außen erkennbare Verhaltensereignisse und ignorieren alles andere, das möglicherweise im Körper und Gehirn einer Person vor sich geht.“

Kognitive Prozesse wurden also kaum beachtet, nur wenige Psychologen waren an der Frage interessiert, wie Menschen Wissen erwerben. Wahrnehmung, der fundamentale kognitive Akt, wurde allenfalls von den „Gestalt“-Theoretikern studiert (NEISSER 1996, S. 15).

Bei dieser Sachlage wurde das Jahr 1956 für die lernpsychologische Theoriebildung zu einem Epochendatum. Damals fand vom 10. - 12. September im Massachusetts Institute of Technology das Symposium on Information Theory statt, an dem sich u.a. die Computerpioniere Allen NEWELL, Herbert SIMON und Marvin MINSKY sowie der Linguist Noam CHOMSKY beteiligten. CHOMSKY präsentierte eine scharfe Kritik am Behaviorismus und stellte seine Transformationsgrammatik vor, die danach außerordentlich einflusssreich werden sollte (die Einzelheiten bei Howard GARDENER 1992, S. 40). Er erneuerte und vertiefte seine Kritik 1959 in einer Besprechung des Buches „Verbal Behavior“, das Burrhus F. SKINNER 1957 veröffentlicht hatte (vg. dazu Manuel MÖLLER, 2006, S. 40, 61).

Abermals führte also ein Defizit zu einer neuen Entwicklung. Geistige Prozesse wurden wieder zum bestimmenden Thema des wissenschaftlichen Interesses. Die kognitive Wende als eine wissenschaftliche Revolution zu bezeichnen führte allerdings zu weit, zumal behavioristisches Denken keineswegs obsolet ist. Sie ebnete jedoch den Weg zu bislang versperrten Erkenntnismöglichkeiten.

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2.0 Kognitionswissenschaft/kognitive Psychologie

2.1 Der wissenschaftstheoretische Ansatz

»Kognitionswissenschaft« bezeichnet einen Wissenschaftszweig, der sich mit der Erforschung kognitiver Fähigkeiten wie Wahrnehmung, Gedächtnis, Denken, Lernen, Problemlösen, Motorik und Sprache beschäftigt (NEISSER a.a.O., S. 15, sowie MÖLLER a.a.O., S. 31). Hier wirken verschiedene wissenschaftlichen Disziplinen zusammen: Informatik, Linguistik, Neurowissenschaft, Philosophie und Psychologie (vgl. auch den Anhang).

Deren Schwerpunkte können hier nicht im Einzelnen vorgestellt werden. Im Vordergrund standen zunächst Überlegungen, die Analogien zur Computertechnik sahen. Deren zentrale Annahme war das „Computermodell des Geistes“. Wahrnehmungen wurden als abstrakte Symbole kodiert, Denken als die regelhafte Manipulation dieser Symbole verstanden (MÖLLER ebda.). Der Computer wurde für die heutige Psychologie zur bestimmenden Metapher (NEISSER 1996, S. 16).

Seit der Entwicklung bildgebender Verfahren in der Medizin verlagerte sich das Interesse weitgehend auf neurowissenschaftliche Forschungen. Sie ließen es plausibel werden, dem Gehirn beim Verarbeiten von Informationen gleichsam zusehen zu können. Diese Forschungen führten zu beachtlichen Ergebnissen. Weiterführende Informationen finden Sie auf den Webseiten der Themengruppe „Natürliche Grundlagen des Lernens“.

Für weitergehende Fragen wird auf die Fachliteratur verwiesen, namentlich die Arbeiten von Howard GARDENER (1992), Dieter MÜNCH (1992), Ulric NEISSER (1967/74 sowie 1976/1996), George LAKOFF – Mark JOHNSON (1999); weitere Titel im Literaturnachweis. Insbesondere GARDENERs Buch »Dem Denken auf der Spur - Der Weg der Kognitionswissenschaft« verdient beachtet zu werden. GARDENER gibt einen äußerst informativen Überblick der geistes- und wissenschaftsgeschichtlichen Zusammenhänge sowie der aktuellen wissenschaftstheoretischen Fragestellungen.

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2.2 Die Kernaufgabe

Das zentrale Thema der Kognitionswissenschaft ist die Verarbeitung von Informationen durch das wahrnehmende Individuum. In den Worten Hans AEBLIs (in Ulrich NEISSER 1996, S. 7):

„Wahrnehmung ist eine Tätigkeit.
Der Mensch bemächtigt sich der Gegebenheiten der Wahrnehmung.
Die Informationsverarbeitung ist der Wahrnehmung nicht nachgeordnet.
Wahrnehmung ist Informationsverarbeitung.
Sie hat ihre Werkzeuge.
Neisser nennt sie mit Bartlett und Piaget Schemata.“

Zum Abschluss dieser Skizze eine selbstkritische Mahnung, die NEISSER (a.a.O. S. 17 f.) formuliert:

„Wir haben wohl zuviel Anstrengung an hypothetische Modelle des menschlichen Geistes vergeudet und nicht genug eingesetzt, um die Umwelt zu analysieren, auf die hin sich der Geist entwickelt hat. [...]                 
Kognitive Psychologen müssen die Bedeutung ihrer Arbeit für fundamentale Fragen prüfen: das Menschenbild ist zu wichtig, als dass man es den Behavioristen und den Psychoanalytikern überlassen dürfte.“

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2.3 Denken und Sprechen

In der kognitiven Psychologie nehmen die Forschungen des russischen Psychologen Lew Semjonowitsch WYGOTSKI eine Sonderstellung ein. Wegen ihrer Bedeutung dürfen sie hier nicht unerwähnt bleiben.

WYGOTSKIs Grundthese lautet, dass Denken und Sprechen zwei verschiedene Bewußtseinsfunktionen sind – verschieden nicht nur in ihrer Erscheinungsform, sondern auch in ihrem phylogenetischen und ontogenetischen Ursprung. Sie verbinden sich erst in der Praxis gesellschaftlicher Vorgänge. Diese – auch bei den Menschenaffen noch nicht „gelungene“ – Verbindung ist die Voraussetzung für die Entstehung der Kultur und des menschlichen Individuums (WYGOTSKI 1969, S. VI).

Höhere geistige Funktionen sieht WYGOTSKI (nach WIKIPEDIA) durch funktionale Verbindungen zwischen verschiedenen niederen geistigen Funktionen realisiert. Diese Verbindungen entstehen in einem kulturellen Kontext, nämlich der Kommunikation mit anderen Menschen. Da Kommunikation unter Verwendung kulturell gewachsener Zeichensysteme geschieht, fällt dem Zeichen die Organisation dieser Verbindungen zu. Zeichen sind in den sozialen und kulturellen Zusammenhang eingebettet, in dem ein Mensch aufwächst. Deshalb sind sie für die kognitive Entwicklung des Menschen besonders bedeutsam. Mit »Zeichen« meint WYGOTSKI insbesondere die Sprache, so dass sein Hauptwerk den Zusammenhang von Denken und Sprechen untersucht. 

Eine knappe Übersicht seiner Überlegungen finden Sie auf der Webseite „Entwicklungsstufen von Sprache und Denken nach Lew S. WYGOTSKI“.  Die soziale Interaktion zwischen Lehrenden und Lernenden spielt für WYGOTSKI eine hervorgehobene Rolle, weil er alles menschliche Wissen als sozial konstruiertes Wissen versteht. Somit berühren sich seine Gedanken mit den Auffassungen Michael TOMMASELLIs, die auf der Webseite „Lernen ist Nachahmung – Soziales Lernen“ vorgetragen werden. 

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2.4 Konsequenzen für das Verständnis von Lernen

Die kognitive Wende war für die Didaktik außerordentlich bedeutsam. In den USA entwickelten David P. AUSUBEL und Jerome S. BRUNER ihre Konzepte des sinnvollen/bedeutungserzeugenden bzw. generativen/entdeckenden Lernens. Dazu die Webseiten

In Europa entwarf Jean PIAGET sein tiefschürfendes Konzept zur Entwicklung der Intelligenz. Dessen Grundgedanke ist konstruktivistisch, Lernen ist eine Tätigkeit. Vor allem Hans AEBLI hat PIAGETs Konzept für das Lernen erschlossen und daraus eine »operative« Didaktik entwickelt.

Auf folgende Webseiten wird verwiesen:

PIAGET:

AEBLI:

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3.0 Literaturnachweis

Hier werden nur die Titel verzeichnet, auf die sich dieser Text unmittelbar bezieht.

  • Hans AEBLI
    Psychologische Didaktik
    Didaktische Auswertung der Psychologie von Jean Piaget
    Stuttgart 1973

  • ders.
    Denken – das Ordnen des Tuns
    Band 1: Kognitive Aspekte der Handlungstheorie
    Stuttgart 2001, 3. Auflage
    Band 2: Denkprozesse
    Stuttgart 1994, 2. Auflage

  • David P. AUSUBEL
    Psychologie des Unterrichts
    Weinheim 1980/1981, 2., völlig überarbeitete Auflage

  • Jerome S. BRUNER
    The process of education
    Cambridge/Mass. 1961
    deutsche Übersetzung:
    Der Prozeß der Erziehung
    Berlin 1980, 5. Auflage

  • ders.
    Toward a theory of instruction
    Cambridge/Mass. 1966
    deutsche Übersetzung:
    Entwurf einer Unterrichtstheorie
    Berlin 1974

  • Noam CHOMSKY
    Review of »Verbal Behavior«
    of Burrhus F. SKINNER
    Language 35 (1959) Nr. 1, S. 26 –57
    abgedruckt in :
    Jerry A. FODOR – Jerrold J. KATZ (Hrsg.)
    The Structure of Language
    New York 1964

  • Walter EDELMANN
    Lernpsychologie
    Weinheim 2000, 6., vollständig überarbeitete Auflage

  • Norman ELROD
    Freud, Piaget, Wygotski und Loewald
    Wie wird der Mensch ein Mensch?
    Zürich 1992

  • Werner D. FRÖHLICH
    Wörterbuch Psychologie
    München 2002, 24., durchgesehene Auflage

  • Howard GARDNER
    Dem Denken auf der Spur
    Der Weg der Kognitionswissenschaft
    Nach der Ausgabe von 1989
    Stuttgart 1992

  • ders.
    Der ungeschulte Kopf
    Wie Kinder denken
    Stuttgart 1994, 2. Auflage

  • Gerhard HEYER
    Kognitive Wissenschaft
    Ein Überblick
    Zeitschrift für philosophische Forschung 42 (1987), S. 279 – 290

  • Fritz KUBLI
    Kognitionspsychologie, Piaget und die Existenz von Universalien des Denkens
    Neue Sammlung 20 (1980) H. 4, S. 357 - 365

  • George LAKOFF – Mark JOHNSON
    Philosophy in the Flesh
    The Embodied Mind and its Challenge to Western Thought
    New York 1999

  • Guy R. LEFRANÇOIS
    Psychologie des Lernens
    Berlin Heidelberg New York 2006, 4., überarbeitete und erweiterte Auflage

  • Manuela LENZEN
    Natürliche und künstliche Intelligenz
    Einführung in die Kognitionswissenschaft
    Frankfurt am Main, New York 2002

  • Colin McGINN
    Das geistige Auge
    Von der Macht der Vorstellungskraft
    Darmstadt 2007

  • Manuel MÖLLER
    Konstruktivismus und Nativismus
    Die Debatte zwischen Jean Piaget und Noam Chomsky
    Chemnitz 2006
    http://archiv.tu-chemnitz.de/pub/2006/0036/data/ma.pdf

  • Dieter MÜNCH
    Kognitionswissenschaft
    Grundlagen, Probleme, Perspektiven
    Frankfurt am Main 1992

  • Ulric NEISSER
    Cognitive psychology
    New York 1967
    deutsche Übersetzung:
    Kognitive Psychologie
    Stuttgart 1974

  • ders.
    Cognition and Reality
    Principles and Implications of Cognitive Psychology
    San Francisco 1976
    deutsche Übersetzung:
    Kognition und Wirklichkeit
    Prinzipien und Implikationen der kognitiven Psychologie
    Stuttgart 1996, 2. Auflage

  • Dominik PERLER – Markus WILD (Hrsg.)
    Sehen und Begreifen
    Wahrnehmungstheorien in der Frühen Neuzeit
    Berlin 2007

  • Steven PINKER
    How the mind works
    New York 1997
    deutsche Übersetzung:
    Wie das Denken im Kopf entsteht
    München 1998

  • Norbert M. SEEL
    Psychologie des Lernens
    Lehrbuch für Pädagogen und Psychologen
    München; Basel 2003, 2., aktualisierte und erweiterte Auflage

  • Gerhard STRUBE – Barbara BECKER – u.a. (Hrsg.)
    Wörterbuch der Kognitionswissenschaft
    Stuttgart 1996

  • Francisco J. VARELA
    Kognitionswissenschaft – Kognitionstechnik
    Eine Skizze aktueller Perspektiven
    Frankfurt am Main 1993, 3. Auflage

  • ders.
    Der mittlere Weg der Erkenntnis
    Die Beziehung von Ich und Welt in der Kognitionswissenschaft -
    der Brückenschlag zwischen wissenschaftlicher Theorie und menschlicher Erfahrung
    Bern 1992, München 1995

  • WIKIPEDIA – die freie Enzyklopädie
    Kognitionswissenschaft
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kognitionswissenschaft

  • dies.
    Kognitive Wende
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Wende

  • dies.
    Lew Semjonowitsch WYGOTSKI
    http://de.wikipedia.org/wiki/Lew_Semjonowitsch_Wygotski

  • Lew Semjonowitsch WYGOTSKI
    Denken und Sprechen
    Psychologische Untersuchungen
    Herausgegeben von Thomas LUCKMANN
    Frankfurt am Main 1969
    In neuer Übersetzung herausgegeben und aus dem Russischen übersetzt von
    Joachim LOMPSCHER und Georg RÜCKRIEM
    Mit einem Nachwort von Alexandre MÉTRAUX
    Weinheim, Basel 2002

  • ders.
    Die Entwicklung von Wahrnehmung und Aufmerksamkeit
    1930
    Arbeitsübersetzung aus dem Amerikanischen von Thomas HOFFMANN (1999)
    http://www.erzwiss.uni-hamburg.de/inst05/abs/artikel/aufmerksamkeit/wygotski01.htm
    Der Originaltext
    http://www.erzwiss.uni-hamburg.de/inst05/abs/artikel/aufmerksamkeit/wygotski1930.pdf

  • Philip G. ZIMBARDO
    Psychology and Life
    Glenview/Illinois 1988
    deutsche Übersetzung:
    Psychologie
    Berlin Heidelberg New York 2004, 16., aktualisierte Auflage

Die Literaturnachweise für die weiteren Webseiten 
dieses thematischen Bereiches finden Sie hier.

Ein zusammenfassendes Literaturverzeichnis
für die Themengruppe »Lernen – Voraussetzungen, Möglichkeiten, Probleme«
finden Sie hier.

Anhang: Kognition

Das »Wörterbuch Psychologie« von Werner D. FRÖHLICH (2002, S. 258) gibt folgende Definitionen:

Kognition (cognition)
Aus dem Lat. cognitio (Erkenntnis; Kennenlernen)

[1] (a) Gesamtheit aller Funktionen und Prozesse, die mit dem Erwerb, der Speicherung und Wiederverwendung von anschaulichen und abstrakten Erkenntnissen, Einsichten und Wissen zu tun haben. (b) Der klassischen Unterteilung psychischer Phänomene in »Denken«, »Fühlen« und »Wollen« entsprechend ist Kognitionspsychologie der Oberbegriff für Wahrnehmungs-, Denk-, Intelligenz-, Sprach- und Gedächtnispsychologie. K. wird den (Fühlen) und Aspekten (Wollen) des Erlebens gelegentlich auch wertend im Sinne von Erkenntnisfunktion gegenübergestellt.

[2] (a) Als »K. von etwas« strukturierte Erkenntniseinheit, die auf Sinneserfahrungen, Vorstellungen, Erinnerungen und/oder Denken beruht, in der Erkanntes eingebettet, repräsentiert ist und die als aussagbares Wissen abgerufen werden kann, um beim Denken, Problemlösen, Planen, aber auch in Form von Erwartungen oder Vermutungen genutzt zu werden. (b) Ordnungsprinzip, das den Umgang mit symbolischen Repräsentationen von Erfahrungen, ihren hierarchischen Aufbau und ihre Nutzung in Denken und Sprache.

[3] Kognitionswissenschaft (cognitive science): Interdisziplinäre Ansätze aus Informatik, Kybernetik, Linguistik, Kognitionspsychologie und/oder Neurowissenschaften zur Erforschung von Prozessen der Wissensvermittlung oder -nutzung (z.B. künstliche Intelligenz) und wissensgeleiteter interaktiver oder selbstregulatorischer kybernetischer Prozesse (z.B. Expertensystem; Roboting).

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Ausgearbeitet von:     Dr. Manfred Rosenbach -       letzte Änderung am: 03.09.18
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