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Erziehung zu Verantwortung

Handreichung zum Problem des freien Willens

Übersicht
1.0 Das Problemfeld
      1.1 Freier Wille ist die Voraussetzung für verantwortliches Handeln
      1.2 Ist alles Handeln des Menschen determiniert?
      1.3 Folgerungen
2.0 Determiniertheit und eigenes Handeln
      2.1 Vorab eine Prämisse
      2.2 Freiheit im Horizont von Determiniertheit
      2.3 Determiniertheit des Willens ist ein Fehlschluss
      
     2.31 Benjamin LIBET – ein Resumee am Ende eines Forscherlebens
            2.32 Peter BIERI – Einspruch der Philosophie
            2.33 Aspekte der aktuellen Diskussion
            2.34 Konsequenzen aus der Quantenphysik
2.4 Folgerungen für erzieherisches Handeln
3.0 Anhänge
      3.1 Weitere Textbelege für Arthur SCHOPENHAUERs Beweisführung
      3.2 Weitere Textbelege für Benjamin LIBETs Positionen
      3.3 Der freie Wille – eine geistesgeschichtliche Skizze
4.0 Literaturnachweise
      4.1 Literaturgrundlage dieses Textes
      4.2 Weitere Literatur zum Problem des freien Willens

1.0 Das Problemfeld

1.1 Freier Wille ist die Voraussetzung für verantwortliches Handeln

Junge Menschen müssen zu Urteilsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein fähig werden. Das ist die Grundlage für selbständiges verantwortliches Handeln, mithin für Mündigkeit. Ihnen dabei  behilflich zu sein ist eine besonders wichtige Aufgabe der Erziehung in Familie und Schule. So wird sie in der pädagogischen Literatur sowie in den Schulgesetzen der deutschen Bundesländer eindrucksvoll beschrieben. Alle Texte stimmen trotz außerordentlicher Vielfalt der Formulierungen darin überein; sie erwarten insbesondere, dass die jungen Menschen durch »Werte-Erziehung« zu Verinnerlichung und Beachtung einer Wertordnung angeleitet werden.

Menschen können nur verantwortlich entscheiden und handeln, wenn sie die Freiheit dazu haben. Verantwortliches Handeln setzt somit als zwingende Bedingung den »freien Willen« voraus.

1.2 Ist alles Handeln des Menschen determiniert?

Gibt es den freien Willen oder ist er eine Illusion? Das ist seit zweieinhalbtausend Jahren ein zentrales Thema des abendländischen Denkens sowohl in Philosophie als auch Theologie. Die Existenz der Willensfreiheit konnte bisher weder überzeugend bewiesen noch schlüssig widerlegt werden. Für beide Positionen gibt es nachvollziehbare Argumente – sie sind rein gedanklicher Natur und gelten Kritikern als »spekulativ«. Eine kurze Skizze zu deren geistesgeschichtlicher Entfaltung finden Sie unten unter Nr. 3.3.

 Die Ergebnisse der modernen Hirnforschung haben nach der Überzeugung ihrer führenden Vertreter wie Gerhard ROTH und Wolf SINGER nunmehr den bisher ausstehenden Beweis experimentell zwingend erbracht. Danach unterliege alles Handeln von Menschen den Gesetzen der Kausalität und sei vollständig determiniert. Bas KAST, Wissenschaftsredakteur des „Tagesspiegels“, hat das beispielhaft auf den Punkt gebracht (31. August 2008):

„Wenn es zwei Welten gäbe, eine physikalische und eine jenseits der Physik, könnte es so etwas wie einen unbewegten Beweger im Kopf geben. Aber es gibt nur diese eine Welt, und die ist kausal geschlossen. Es gibt darin kein unbewirktes Wirken. Unser Ich wird vom Gehirn hervorgebracht ebenso wie all unsere Gedanken. Jeder aktuelle Hirnzustand aber wird vom vorhergehenden Zustand sowie von Außenreizen und Zufallsprozessen bestimmt. Ein freier Wille ist aus dieser Sicht nicht nur unplausibel – er ist physikalisch unmöglich.“

Dazu gibt es inzwischen ein umfangreiches Schrifttum in Wissenschaft und Feuilleton. Für diese Bausteine wichtige Titel werden unten verzeichnet, weitere repräsentative Titel finden Sie auf der Webseite "Entwicklungspsychologische Grundlagen des Unterrichts - Literaturgrundlage"  unter Nr. 2.0.

Kronzeuge für die Argumentation der Hirnforscher ist der Neurophysiologe Benjamin LIBET mit seinen Experimenten. Umfangreiche Versuche mit bildgebenden Verfahren haben seinen Ansatz offenbar bestätigt und erhärtet. Willensfreiheit wird vor diesem Hintergrund als Illusion betrachtet, ohne die wir Menschen freilich wegen ihrer Tauglichkeit für den Alltag nicht auskämen.

„Wir tun nicht, was wir wollen, sondern wir wollen, was wir tun.“

Auf diese knappe Formel verdichtet Thomas ASSHEUER (2007) den Sachverhalt. Er knüpft damit an eine berühmte Einsicht Arthur SCHOPENHAUERs an:

Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.

Fast wortgleich hatte VOLTAIRE, eine längere Ausführung in John LOCKEs »Versuch über den menschlichen Verstand« (II, c.21, § 20 – 27) knapp zusammenfassend, geschrieben (zitiert nach Friedrich A. LANGE, 1866/1974, S. 319, ferner S. 331):

„Frei sein heißt tun können, was man will, nicht wollen können, was man will.“

Schon AUGUSTINUS hatte konstatiert (XXV,74. 255, 2006 S. 303):

„Der Wille wird aber nur durch etwas Vorgestelltes zu jeglicher Handlung angeregt.
Was jedoch ein jeder wählt und was er von sich weist,
steht in seiner Macht,
nicht aber, durch die Vorstellung berührt zu werden.“

Zusammenfassend ist hier eine paradoxe Grenze der Erkenntnis zu nennen, die sich wahrscheinlich nicht überschreiten lässt. Wenn wir das Gehirn verstehen wollen, steht uns kein anderes Instrument zur Verfügung als das Gehirn selbst. Julian BARNES formuliert deswegen die folgende skeptische Vermutung (Der Spiegel Nr. 11/2010, S. 147):

"Vielleicht geben wir die Illusion eines freien Willens nie auf, 
weil wir den Glauben daran nur durch einen Akt des freien Willens aufgeben könnten, den wir nicht haben. 
Wir werden weiterhin so leben, als wären wir der alleinige Herr unserer Entscheidungen."

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1.3 Folgerungen

Wenn die Ergebnisse der Hirnforschungen zutreffen sollten, hätte das Folgen von einer Reichweite, die jedes Vorstellungsvermögen überfordern. Sie wären radikal im unmittelbaren Wortsinn, weil sie an die Wurzeln, an die bindenden Grundlagen des Zusammenlebens der Menschen rührten. Wären wir „im Wesentlichen raffinierte Automaten, wobei unsere bewussten Gefühle und Absichten als Epiphänomene ohne kausale Kraft aufgesetzt wären“ (so formuliert Benjamin LIBET, S. 179, das Problem), dann entfiele jede persönliche Verantwortung für das eigene Handeln. Kein Mensch handelte noch schuldhaft, wenn er gegen die Gebote von Ethik und Moral verstieße. So wird z. B. inzwischen ernsthaft diskutiert, ob nicht die gesamte Strafjustiz abgeschafft werden müsse, weil sie auf unzutreffenden Voraussetzungen beruhe. In manchen Texten kann man ein erleichtertes Aufatmen spüren ­ „ja, wenn das so ist ...“ Beispiele finden sich bei Thomas ASSHEUER (2007, S. 57).

Für uns Lehrer entfiele jeder Anlass und jede Legitimation, dem o.g. Erziehungsauftrag nachzukommen, weil wir die jungen Menschen ihrer Determiniertheit zu überlassen hätten. Wollten wir ihn dennoch geltend machen, könnten intelligent informierte Schüler unsere Bemühungen mit dem Hinweis auf die einschlägigen Forschungsergebnisse umgehend zurückweisen und ad absurdum führen.

Das Dilemma ist offenkundig – und schon lange bekannt. Friedrich SCHILLER hat sich als junger Arzt in mehreren tiefschürfenden Ansätzen mit dem Materie-Geist-Problem auseinandergesetzt. Als Naturwissenschaftler muss er das Prinzip Kausalität anerkennen, doch sieht er zwischen den materiell-physiologischen Vorgängen des Nervensystems einerseits und dem Denken und Empfinden andererseits eine Lücke (vgl. dazu unten Benjamin LIBET in Nr.3.2). Um sie zu bewältigen, entwickelt er eine Theorie der Aufmerksamkeit. Er schreibt (1779/2004, S. 265 f.):

„Die Seele hat tätigen Einfluß auf das Denkorgan. [...] Der erste Wille, der meine Aufmerksamkeit bestimmt, ist der freie, der letzte, der meine Handlung bestimmt, ist ein Sklave des Verstandes; die Freiheit liegt also nicht darin, daß ich wähle, was mein Verstand für das Beste erkannt hat (denn dies ist ein ewiges Gesetz), sondern darin, daß ich wähle, was meinen Verstand zum Besten bestimmen kann. Alle Moralität hat ihren Grund in der Aufmerksamkeit, d. h. im tätigen Einfluß der Seele auf die materiellen Dinge im Denkorgan.“

Mit Hilfe dieser Theorie wird der Physiologe Schiller zum „Philosophen der Freiheit“, so Rüdiger Safranski (2004, S. 93). In seiner Festrede zum 200. Todestag Friedrich Schillers konstatiert er für jedoch unsere Gegenwart einen seltsamen Widerspruch zwischen politisch erhobenem Anspruch und durch Wissenschaft angeregtem oder verführtem Selbstverständnis (2005):

„Das moderne Bewusstsein, das Freiheit hat und will, scheint so genau wie nie zuvor darüber Bescheid zu wissen, von welchen gesellschaftlichen, ökonomischen oder natürlichen Ursachen das vermeintliche freie Handeln hinterrücks gelenkt wird. In unserer Kultur der Freiheit gibt es zugleich eine entwickelte Kultur des Wegerklärens von Freiheit. [...] Freiheit steht hoch im Kurs und das Wegerklären von Freiheit auch.“

Auch Thomas Assheuer (2007) sieht ein Versprechen der Biowissenschaften, „uns von den Strapazen der Freiheit zu entlasten, von den Mühen der Autonomie“.

Als Erzieher sollten wir die Ergebnisse der Hirnforschung trotz des gebieterischen Anspruches, wissenschaftlich schlüssig zu sein, nicht unkritisch oder gar fatalistisch hinnehmen. Sie sind vielmehr als eine Herausforderung zu betrachten und dürfen nicht darauf reduziert werden, ein Handeln ohne Verantwortung - "Verantwortungs-loses Handeln" - zu rechtfertigen. Wie auch immer – wir müssen für erzieherische Aufgaben, die sich nicht zur Disposition stellen lassen, eine tragfähige Grundlage gewinnen.

Die nachfolgenden Überlegungen wollen als Handreichung für entsprechendes erzieherisches Handeln dienen. Zwei Möglichkeiten sollen untersucht werden.

  • Gibt es auch bei völliger Determiniertheit die Freiheit zu eigenen Entscheidungen?

  • Sind die Aufstellungen der Hirnforschung wirklich von solch geradezu hermetischer Geschlossenheit,
    wie es den Anschein hat und geltend gemacht wird (
    vgl. oben Bas KAST)?

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2.0 Determiniertheit und eigenes Handeln

2.1 Vorab eine Prämisse

Für alle im Folgenden erörterten Positionen gilt eine Prämisse, die wahrscheinlich nicht von allen geteilt wird, von deren Triftigkeit der Verfasser jedoch überzeugt ist. Benjamin LIBET hat sie wie folgt beschrieben (2005, S. 27):

„Zuerst müssen wir anerkennen, dass das Gehirn das physische »Organ« für bewusste und unbewusste geistige Funktionen ist.  [...]
Es gibt keine objektiven Belege für die Existenz bewusster Phänomene getrennt vom Gehirn.“

Rüdiger SAFRANSKI formuliert das ähnlich (2004, S. 90):

„Zweifellos hat jeder geistige Vorgang seine materielle Entsprechung. [...]
Aber das Denken und Empfinden ist als Erlebtes etwas anderes als das,
was sich in neurophysiologischer Perspektive zeigt.“

Ferner ist der Verfasser davon überzeugt, dass kein Individuum gleichsam voraussetzungslos existiert. Vielmehr lebt, entscheidet und handelt jeder von uns – mit großen Unterschieden zu anderen Individuen – innerhalb eines Rahmens, der durch genetische Veranlagung sowie die vielfältigsten Umwelteinflüsse und Prägungen vorgegeben ist. Insofern sind wir Menschen durchaus „determiniert“, ohne jedoch deswegen Marionetten dieser Voraussetzungen zu sein. Lediglich die Vorstellung, gar nicht determiniert zu sein, muss als realitätsfern gelten und ist damit gegenstandslos.

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2.2 Freiheit im Horizont von Determiniertheit

Norbert HOERSTER (2008), wie zuvor Peter BIERI (2005, S. 124), hält den Begriff »Freiheit« für so allgemein, dass er keine differenzierten und damit triftigen Aussagen zulasse. Deswegen untersucht und entfaltet er ihn wie folgt (S. 94 ff.):

  • Freiheit ist gleichbedeutend mit Indeterminiertheit. 
    Eine umfassende Willensfreiheit ist mit dem Determinismus nicht zu vereinbaren.

  • Determiniertheit bedeutet:         
    Jedes menschliche Handeln geht letztendlich auf Ursachen zurück, die außerhalb des Handelnden selbst liegen. Niemand ist der eigentliche Auslöser, die Erstursache, seiner Handlungen.

  • Auch wenn das Handeln von Menschen determiniert ist, haben sie Freiheit zu vielerlei Handlungen, sofern sie nicht durch äußere Umstände an einer bestimmten Handlung gehindert werden.

  • Neben der physischen Freiheit zu einer bestimmten Handlung gibt es die psychische Freiheit, sich für oder gegen eine bestimmte Handlung zu entscheiden.

  • Mithin schließt der Determinismus im Bereich menschlichen Handelns keineswegs jegliche Art menschlicher Freiheit aus.

Eine bemerkenswerte Differenzierung des Begriffes »Freiheit« findet sich bei Geert KEIL (in Jan-Christoph HEILINGER, 2007, S. 281 - 306).

Arthur SCHOPENHAUER, der oben beispielhaft zitiert wurde, nimmt zwar eine von strenger Kausalität geprägte Position ein. Dennoch verbannt er weder Freiheit noch Verantwortung aus der Systematik seiner Darlegungen. Bemerkenswerte Einzelheiten dazu finden Sie im Anhang unter Nr. 3.1.

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2.3 Determiniertheit des Willens ist ein Fehlschluss

Vielleicht reiben Sie sich jetzt die Augen und halten diese Überschrift für eine bornierte Anmaßung, die sich jeder wissenschaftlichen Erkenntnis verschließt. Dennoch ist sie begründet.

2.31 Benjamin LIBET – ein Resumee am Ende eines Forscherlebens

Benjamin LIBET (12. April 1916 – 23. Juli 2007) hat 2004 (deutsch 2005) in hohem Alter mit »Mind Time« ein Buch vorgelegt, das als Summe seiner wissenschaftlichen Arbeit betrachtet werden muss und zugleich sein Vermächtnis darstellt. Die folgenden Ausführungen fassen seine Argumentation so knapp wie möglich zusammen. Im Anhang finden Sie unter Nr. 3.2 a) weitere Textbelege. Sie erhellen den wissenschaftstheoretischen Hintergrund und lassen LIBETs jahrzehntelange vielschichtig-intensive Auseinandersetzung mit dem Problem des freien Willens nachvollziehbar werden.

In eindrucksvoll kritischer Distanz zu seinen – inzwischen legendären – Versuchen schreibt er (S. 193):

„Wir haben jedoch die Frage nicht beantwortet,
ob (1) unsere bewusst gewollten Handlungen völlig von Naturgesetzen determiniert sind, die die Aktivitäten von Nervenzellen im Gehirn beherrschen,
oder ob (2) freie Willenshandlungen und die bewussten Entscheidungen, sie zu vollziehen, bis zu einem bestimmten Grade unabhängig vom Determinismus der Natur vonstattengehen können.“

Nach einer Erörterung dieser beiden Optionen spitzt er das Problem zu (S. 194 f.):

„Wir wollen unsere Grundfrage folgendermaßen formulieren:     
Müssen wir den Determinismus akzeptieren?    
Ist der Indeterminismus überhaupt eine gangbare Option?“
[...]
„Es gab keine Belege oder gar den Vorschlag eines experimentellen Versuchsplans, der endgültig und überzeugend die Gültigkeit des Determinismus der Naturgesetze als Vermittler oder Werkzeug der Willensfreiheit beweist.          
     Es gibt eine unerklärte Lücke zwischen der Kategorie der physischen Phänomene und der Kategorie der subjektiven Phänomene.“

Nach einem ausdrücklichen Bezug auf seine eigenen experimentellen Untersuchungen konstatiert er (S.195 f.):

„Die Annahme, dass die deterministische Natur der physikalisch beobachtbaren Welt subjektiv bewusste Funktionen und Ereignisse erklären kann, ist ein spekulativer Glaube und keine wissenschaftlich bewiesene Aussage.“ [...]

„Der Indeterminismus, die Ansicht, dass der bewusste Wille manchmal Wirkungen ausüben kann, die nicht mit bekannten physikalischen Gesetzen übereinstimmen, ist natürlich ebenfalls ein nicht bewiesener spekulativer Glaube.“ [...]

„Jedenfalls haben wir keine wissenschaftliche Antwort auf die Frage, welche Theorie (Determinismus oder Indeterminismus) die Natur des freien Willens beschreibt.“

Diesen entsagungsvollen Einsichten hält er folgenden Standpunkt entgegen:

„Es ist jedoch wichtig, eine nahezu universale Erfahrung anzuerkennen,
nämlich dass wir in bestimmten Situationen aus freier, unabhängiger Entscheidung handeln können
und einen Einfluss darauf haben, wann wir handeln.“

Sodann beurteilt er die Funktion und Leistung von Theorienansätzen zur Willensfreiheit (S. 198):

„Theorien sollen Beobachtungen erklären und nicht beiseiteschieben, es sei denn, es gäbe starke Gründe dafür.“
[...]
„Es ist töricht, auf der Grundlage einer unbewiesenen Theorie des Determinismus unser Selbstverständnis aufzugeben, dass wir eine gewisse Handlungsfreiheit haben und keine vorherbestimmten Roboter sind.“

Abschließend fasst LIBET seine Erkenntnisse zusammen (S. 197). Sie gelten sowohl für die Alltagspraxis als auch für erzieherische Tätigkeit und lauten:

„Unsere eigenen experimentellen Ergebnisse zeigen, dass der bewusste freie Wille den am Ende stattfindenden Prozess des »Jetzt-Handelns« nicht einleitet. Wie jedoch besprochen, hat der bewusste Wille die Möglichkeit, das Fortschreiten und das Ergebnis des Willensprozesses zu steuern.“

Er betont also die »Veto-Möglichkeit« des freien Willens, deren Existenz für ihn außer Zweifel steht (S. 181), und bezieht sich auf seinen Vorschlag, wie diese funktioniere (S. 183):

„Der freie Wille initiiert also keinen Willensprozess; er kann jedoch das Resultat steuern, indem er den Willensprozess aktiv unterdrückt und die Handlung selbst abbricht, oder indem er die Handlung ermöglicht (oder auslöst).“

Der Forschung stellt er eine noch nicht gelöste Aufgabe (S. 197):

„Die zerebrale Natur des Betrachtens von Handlungsoptionen durch bewusstes Nachdenken und Vorausplanen, bevor überhaupt ein Prozess des »Jetzt-Handelns« stattfindet, muss noch erhellt werden.“

LIBET entwirft in seinem Buch einen möglichen Ansatz für weiterführende Antworten auf die hier skizzierten Fragen. Er sieht ihn im Prinzip der Emergenz und ist davon überzeugt (S. 118),

„dass die mentale subjektive Funktion ein emergentes Phänomen entsprechender Hirnfunktionen ist. Der bewusste Geist kann nicht ohne die Gehirnprozesse existieren, die ihn erzeugen. Obwohl er aus Aktivitäten des Gehirns als eine einzigartige Eigenschaft dieses physischen Systems entstanden ist, kann der Geist Phänomene aufweisen, die im neuronalen Gehirn, das sie hervorbringt, nicht sichtbar sind.“

Er begründet diese Sicht an anderer Stelle und nennt als Beispiel die Entstehung eines Magnetfeldes um einen Draht, durch den ein Strom fließt (S. 205 f.):

„In der physischen Welt erkennen wir die Tatsache an, dass die Phänomene, die ein System aufweist, nicht in den Eigenschaften der Untereinheiten zu finden sind, aus denen das System besteht. [...]

Wir sind im Prinzip gezwungen, bewusstes subjektives Erleben auf ähnliche Weise als ein Phänomen zu betrachten, das irgendwie aus einem geeigneten System von Aktivitäten der physischen Nervenzellen im Gehirn auftaucht. [...]

Wir können also bewusstes subjektives Erleben als eine weitere fundamentale Eigenschaft der Natur ansehen. Es besteht in der Einheit des subjektiven Erlebens und dem Potential zur Beeinflussung der Aktivitäten von Nervenzellen.“

Vertiefungen zu diesen Überlegungen finden Sie im Anhang unter Nr. 3.2 b).

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2.32 Peter BIERI – Einspruch der Philosophie

Namhafte Philosophen haben sowohl der überkommenen Kritik als auch den aktuellen Einwänden der Neurowissenschaftler widersprochen. Als dafür repräsentativ wird hier Peter BIERI genannt. Wenn Sie sich auf die Tiefendimension der Problematik einlassen wollen und sich mehr Zeit nehmen können, lassen Sie sich dazu anregen, sein Buch » Das Handwerk der Freiheit« (2001) zu lesen.

Im Vorwort schreibt er (S. 9):

„Nachdem ich eine Unzahl von Texten über Willensfreiheit gelesen und mich an ihnen gerieben hatte, schob ich sie eines Tages alle beiseite und fragte mich: Was hast du an dem Thema eigentlich verstanden? Und: Was glaubst du, was das ist: hier etwas zu verstehen? Aus dem Versuch, diese Fragen zu beantworten, ist das vorliegende Buch entstanden. [...]

Ich wollte über ein zum Verzweifeln komplexes Thema in einfacher, mühelos fließender Sprache schreiben, die ohne unnötige Fremdwörter und ohne Jargon auskäme. Die befreiende Erfahrung war: Es geht!"

Andernfalls finden Sie eine ebenso knappe wie scharfsinnige Argumentation in seinem Essay von 2005 »Unser Wille ist frei«. Sein Widerspruch gegen die Interpretation der neurobiologischen Befunde lautet:

„Was wie eine beinharte empirische Widerlegung der Willensfreiheit daherkommt,
ist ein Stück abenteuerliche Metaphysik.“

Diese – nach eigenen Worten – „freche Behauptung“ begründet er i.W. wie folgt:

  • Für unterschiedliche Zwecke sind unterschiedliche Beschreibungssysteme entwickelt worden. Verschiedene Perspektiven dürfen nicht vermischt werden, sonst entstehen Kategorienfehler. Fragen, die sich auf einer Beschreibungsebene stellen, dürfen nicht auf einer anderen beantwortet werden.

  • Der Begriff »Freiheit« darf nicht allgemein gebraucht werden, sondern gehört zu einer bestimmten Perspektive der Betrachtung. Nur dort ergibt er einen Sinn. Hier ist das unser Selbstverständnis als Person. Nur handelnde Wesen mit einem geistigen Profil sind Kandidaten für Freiheit und Unfreiheit. In der neurobiologischen Mechanik des Gehirns gibt es weder Freiheit noch Unfreiheit. „Das Gehirn ist der falsche logische Ort für diese Idee.“

  • Was kann mit »Freiheit“ (hier also mit Willensfreiheit) gemeint sein, so dass uns die Forschungsergebnisse der Neurobiologie erschrecken können? Mögliche Missverständnisse könnten sein,
    o dass der Wille durch nichts bedingt und gleichsam ein unbewegter Beweger sei;
    o dass er zwar bedingt sei, z.B. psychologisch, keinesfalls jedoch materiell durch Bedingungen im Gehirn;
    o dass im Gehirn Prozesse gleichsam hinter unserem Rücken abliefen und wir uns frei fühlten, es aber nicht seien – eine Illusion also. 
       Das würde aber auch für jedes Wahrnehmen, Denken, Fühlen gelten. Deren physiologischer Hintergrund mache sie auch nicht zu Illusionen.

  • Dem steht ein anderes Verständnis von Freiheit gegenüber:
    „Unser Wille ist frei, wenn er sich unserem Urteil darüber fügt, was zu wollen richtig ist. 
    Und der Wille ist unfrei, wenn Urteil und Wille auseinanderfallen.“

  • Den Konflikt zwischen Determinismus und Freiheit gibt es nicht. Der Gegensatz zu Determinismus ist Indeterminismus, der Gegensatz zu Freiheit ist Zwang. Die Bilder der Kernspintomografen zeigen nur, wie naturgesetzliche Dinge vor sich gehen, wenn wir unsere Freiheit ausüben, indem wir uns entscheiden. Die Idee des Entscheidens aber hat keinen logischen Ort in der Rede über das Gehirn.

  • Diejenige Freiheit, die durch keine Hirnforschung widerlegt werden kann, reicht für Verantwortung aus.
    Sie besteht darin, Kontrolle über den eigenen Willen auszuüben
    .

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2.33 Aspekte der aktuellen Diskussion

Grob vereinfachend lässt sich die Diskussion über die Willensfreiheit auf diese Formel bringen:

Einerseits wird der Begriff der Freiheit und dessen Reichweite
realitätsfern überzogen,
andererseits werden Kausalität und Determiniertheit
hermetisch eng und geradezu totalitär überinterpretiert.

Deshalb muss hier ergänzend Überlegungen nachgegangen werden, die sich um eine unideolologisch-differenzierte Sicht auf das Problem bemühen. Die außerordentliche Bedeutung, die aus den Aufstellungen der führenden Hirnforscher für das verantwortliche Handeln aller Menschen folgt, hat nicht nur den Widerspruch von Philosophen ausgelöst, sondern auch zu Einwänden von Naturwissenschaftlern geführt. In einem von Jan-Christoph HEILINGER 2007 herausgegebenen Sammelband werden sie eindrucksvoll und exemplarisch aspektreich dokumentiert. Daraus sollen hier einige zentrale Argumente vorgestellt werden. Sie greifen insbesondere Einsichten auf, die aus den Erkenntnissen der modernen Physik und Biologie (u.a. Thermodynamik, Quantenmechanik, Verhaltensforschung) folgen.

  • Andreas V.M. HERZ 
    argumentiert (S. 35), dass die dem neuronalen Determinismus zugrunde liegenden Annahmen aus naturwissenschaftlicher Sicht nicht haltbar seien. Nervensysteme seien prinzipiell als Systeme mit stochastischer Natur aufzufassen. Sie unterlägen außerdem thermischen Fluktuationen. 

  • Ferdinand HUCHO  
    vertieft diese Überlegungen. Für die Betrachtung komplexer Systeme - wie das Gehirn eines ist - gebe es heute mathematische Ansätze, die ein System als deterministisch beschreiben, ohne deren Berechenbarkeit vorauszusetzen. In dieser prinzipiellen Unberechenbarkeit seien möglicherweise die Wurzeln der Freiheit zu suchen. "Es ist die submikroskopische Welt der Moleküle, in der die Gesetze der Quantenphysik herrschen." (S. 133)
         Was leistet das Gehirn? Als zentrales Steuerungsorgan nimmt es aus der Umwelt nützliche Informationen auf und verarbeitet sie zu Impulsen für situationsgerechtes Verhalten. "Sämtliche Sinnesorgane sind letztlich Zugänge physikalischer Signale zum Hirn." (S. 146) Das alles geschieht in einem Netzwerk von unvorstellbaren Dimensionen. 100 Milliarden Nervenzellen sind über ca. 10.000 Synapsen miteinander verknüpft. Das ergibt ein Netzwerk von  einer Million Milliarden Verknüpfungen - 1011 x 104 = 1015 (S. 139). Daraus folgt ein naturwissenschaftliches Paradoxon. Die Kausalkette vom Molekül zum Verhalten ist lückenlos. Weil die Zahl der möglichen Interaktionen riesig ist und es in jedem ihrer Glieder Optionen gibt, ist sie jedoch prinzipiell nicht berechen- und vorhersagbar, nicht determiniert. Zu kompliziert sind die nicht-linearen Reaktionsgleichungen der Ursache-Wirkungs-Beziehungen (S. 140, 147).
         HUCHO formuliert vor diesem Hintergrund folgende Konsequenz: 
    "Aus der Evolution lässt sich vor allem eines ableiten: Die Verhaltensvielfalt, die Komplexität nimmt zu und mit ihr die Freiheit. Die Freiheit ist offenbar eine emergente neuartige Eigenschaft hyperkomplexer Systeme, keine Illusion, sondern eine während der Evolution zunehmende Qualität einer rein physikalischen Welt, die sich wie das Wetter nicht auf die Reduktion von Elementarereignissen berechnen oder auch nur beschreiben lässt. [...] Hyperkomplexe Systeme können sich auf nicht berechenbare Weise selbst organisieren." (S. 139)
          HUCHO resumiert (S. 140): "Die hyperkomplexe, nicht berechenbare  Maschine Mensch verhält sich zielgerichtet, reproduzierbar, d.h. intentional, nicht chaotisch, nicht stochastisch, zufällig. Die Gesetze der Thermodynamik geben über die große Zahl der molekularen Einzelereignisse den zufälligen Wegen der Atome und Moleküle ihre Richtung." Diese Mechanismen und Zusammenhänge im einzelnen aufzuhellen und in diesem System die Freiheit zu definieren sei eine gigantische Forschungsaufgabe der experimentellen Naturwissenschaften. Er folgert:

         "Willensfreiheit ist keine 'Illusion' im populären Sinn eines 'falschen Eindrucks'.  
          Sie ist eine Wahrnehmung des bewussten cortex cerebri
          der die unbewussten Prozesse tiefer liegender Bereiche des Hirns erfährt und kontrolliert."

  • Georg Nordhoff 
    verfolgt (S. 307 ff.) einen anderen Ansatz. Er sieht die Ursache für Freiheit außerhalb der neuronalen Prozesse des Gehirns und findet sie in der Vielfalt der Beziehungen, die zwischen einem Organismus und seiner Umwelt bestehen. In seinem "relationalen Konzept der Freiheit" beschreibt er Freiheit als die Möglichkeit, dass ein Organismus verschiedene Beziehungen zu seiner Umwelt entwickeln kann. Freiheit ist somit immer umweltgebunden und kontextabhängig (S. 331). Das gilt zumal dann, wenn es sich bei diesem Organismus um den Menschen handelt.

  • Michael A. STADLER 
    wendet ein (S. 117 ff.), dass in LIBETs Versuchsanordnungen physikalische und subjektive Zeit problematisch vermischt würden. Deshalb könnten sie die aus ihnen abgeleiteten weitreichenden Interpretationen nicht schlüssig tragen.

  • Olaf L. MÜLLER  
    stellt in den Augen des Verfassers besonders interessante Überlegungen an.
         Zunächst begrenzt er den Geltungsanspruch naturwissenschaftlicher Evidenzen (S. 335). Diese könnten allenfalls "vor dem Hintergrund einer ganz bestimmten - naturalistischen - Metaphysik gegen Willensfreiheit sprechen".
    Danach spielten sich sämtliche Ereignisse in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ohne eine Alternative in einer einheitlichen kausalen Ordnung ab. Im Gegensatz dazu führt er die metaphysische Position einer "Freiheit aus dem Jenseits" vor. Die nachvollziehbare Darstellung dieser Alternative kann im Rahmen dieser Webseite nicht geleistet werden. Hier nur soviel: MÜLLER nimmt  LIBETs Experimente umstandslos ernst. Aus deren Struktur entwickelt er in überaus scharfsinniger Form analoge Versuchsanordnungen und wendet sie auf lebenswirkliche Situationen an. Das begrenzt die Ableitungen aus LIBETs Feststellungen in überzeugender Form und führt sie förmlich ad absurdum. 
         Dabei geht es MÜLLER um die Frage, "ob sich Freiheit mit den konkreten Ergebnissen vereinbaren lässt, die uns von Neurophysiologen vorgelegt worden sind oder noch vorgelegt werden könnten". Es sei schwer, Kausalketten durch das "chaotische Milliardengewirr von Neuronen und Synapsen tatsächlich zu verfolgen; "man kann der Kausalität nicht bei jedem Zahnrad über die Schulter schauen" (S. 361). Niemals werden die Neurophysiologen "unser gesamtes Gehirn en détail kausal durchleuchten können. Nichts von dem, was sie jemals konkret herausfinden werden, wird der Idee von der Freiheit aus dem Jenseits das Wasser abgraben." (S. 362)

  • Christian LIST  (2019/2021) setzt sich in seinem Buch »Warum der freie Wille existiert« mit den zentralen aus der Klassischen Physik stammenden Einwänden gegen den freien Willen auseinander und entkräftet sie.

  • Andreas Schönau (2018) führt neurowissenschaftliche Erkenntisse mit philosophischen Theorien und Konzeptionen der Handlungstheorie aus einer neuartigen Perspektive zusammmen, die vom Konkreten ausgeht und zum Allgemeinen aufsteigt. Damit macht er einen interdisziplinären Blick auf die Gültigkeit der Bedingungen von Willensfreiheit möglich: Alternativismus, Selbstverursachung, Verantwortung. Sie werden hinsichtlich ihres konstitutiven Verhältnisses zu automatisierten und unbewussten Prozessen untersucht. Auf dieser Grundlage erweist sich Willensfreiheit als ein auf Fähigkeiten beruhendes Phänomen und fordert die idealistischen Positionen der Philosophie heraus.

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2.34 Konsequenzen aus der Quantenphysik

In letzter Zeit wurde die Bedeutung der Quantenphysik für die Annahme eines freien Willens tiefschürfend herausgearbeitet. Insbesondere Friedo MANN und Christine MANN - Schwiegersohn und Tochter von Werner HEISENBERG, dem Begründer der Quantenphysik -, haben auf deren Grundlage für eine ganzheitliche Weltsicht plädiert, in der der Dualismus zwischen Geist und Materie überwunden wird und die strikten Kausalitäten der Klassischen Physik nicht gelten.
     Nach einem längeren Referat zu lebenserhaltenem Wahlverhalten von Lebewesen (F. Mann / Ch.Mann 2017, S. 208 ff.) kommen die Autoren zu folgendem Ergebnis (a.a.O S. 218):

»Im Grunde ist also die Frage nach der Willensfreiheit nicht eine Frage nach der Steuerungs- oder Wahlmöglichkeit. Der Unterschied besteht wohl eher in der Möglichkeit, die Verhaltensziele aus einem sehr viel größeren Pool zu wählen. Dieser Pool ist gefüllt von einem unglaublich großen Arsenal von Verhaltensoptionen und den durch Wissen ausdifferenzierten Vermutungen darüber, was wir durch ein bestimmtes Verhalten ereichen. Es ist also nicht die Freiheit, etwas zu wollen, die den Unterschied ausmacht, sondern der Horizont der Ziele, die wir und wählen können.«

Die weitreichenden Konsequenzen des von ihnen entwickelten neuen Weltbildes für das Leben der Menschen werden in einem von den Autoren herausgegebenen Buch dargestellt (F. Mann / Ch.Mann 2021). Ihre zentrale These lautet (a.a.O. S.252): »Die Quantenphysik zeigt uns, dass das Prinzip der Unbestimmtheit unser ganzes Sein durchzieht.«

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2.4 Folgerungen für erzieherisches Handeln

Die vorstehend erörterten Positionen lassen keinen Zweifel daran, dass Menschen selbstbestimmte Entscheidungen nicht nur treffen können, sondern auch treffen müssen. Sie sind für diese verantwortlich und müssen für sie einstehen bis hin zur Anerkennung einer Schuld. Das entspricht dem Urbedürfnis, dass sich Menschen als Urheber ihrer Handlungen und nicht als Marionetten einer wie immer gearteten Fremdbestimmung erleben möchten.

Wie HOERSTERs Darlegungen zeigen, werden alle Menschen in ihrer Lebenswelt vor Situationen gestellt, die ihnen auch bei völliger Determiniertheit Entscheidungen für diese oder eine andere Möglichkeit abverlangen. So schreibt auch LIBET (a.a.O., S. 194):

„... sind freie Entscheidungen oder Handlungen nicht vorhersehbar,
selbst wenn sie vollständig determiniert sein sollten.“

Dass sie jedoch das nicht sind, ist oben dargelegt worden. Das gilt erst recht, wenn BIERIs Darlegungen zutreffen.

Somit besteht für die Wahrnehmung unserer erzieherischen Aufgaben
keinerlei Anlass zu Resignation oder gar Fatalismus.

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3.0 Anhänge

3.1 Weitere Textbelege für Arthur SCHOPENHAUERs Beweisführung

In seiner Abhandlung »Ueber die Freiheit des menschlichen Willens« (1977/2007) beschreibt er zunächst den „empirischen Begriff“ der Freiheit (S. 46):

„Frei bin ich, wenn ich thun kann, was ich will:
und durch das‚ was ich will’, ist schon die Freiheit entschieden.“

Sodann stellt er die Frage:

„Kannst du auch wollen, was du willst?“

Nach längerer Beweisführung beantwortet er sie (S. 62 f.):

„Du kannst thun, was du willst:
aber du kannst, in jedem gegebenen Augenblick deines Lebens,
nur Ein Bestimmtes wollen und schlechterdings nicht Anderes als dieses Eine.“

Das entspricht der Überzeugung, die er wie folgt formuliert (S. 99):

„Alles was geschieht, vom Großen bis zum Kleinsten, geschieht nothwendig.“

Im Abschlusskapitel seiner Abhandlung wendet er sich einem bis dahin nicht behandeltem Sachverhalt zu (S. 134):

„Es gibt nämlich noch eine Thatsache des Bewußtseyns, von welcher ich bisher, um den Gang der Untersuchung nicht zu stören, gänzlich abgesehen habe. Diese ist das völlig deutliche und sichere Gefühl der Verantwortlichkeit für Das was wir thun, der Zurechnungsfähigkeit unserer Handlungen, beruhend auf der unerschütterlichen Gewißheit, daß wir selbst die Thäter unserer Thaten sind.“

Seine Überlegungen fasst er wie folgt zusammen (S. 137 f.):

„Dieser Weg führt, wie leicht abzusehen, dahin, daß wir das Werk unserer Freiheit nicht mehr, wie es die gemeine Ansicht thut, in unseren einzelnen Handlungen, sondern im ganzen Seyn und Wesen (existentia et essentia) des Menschen selbst zu suchen haben [...].

Die Freiheit, welche daher im Operari [Handeln] nicht anzutreffen seyn kann, muß im esse [Sein] liegen. [...] Im Esse allein liegt die Freiheit, aber aus ihm und den Motiven folgt das Operari mit Nothwendigkeit: und an dem was wir thun, erkennen wir was wir sind. Hierauf, und nicht auf dem vermeinten libero arbitrio indifferentiae, beruht das Bewußtseyn der Verantwortlichkeit und die moralische Tendenz des Lebens.“

So kommt er zusammenfassend zu folgendem Schluss (S. 138 f.):

„Mit Einem Wort: Der Mensch thut allezeit nur was er will, und thut es doch nothwendig. Das liegt aber daran, daß er schon ist was er will: denn aus dem, was er ist, folgt nothwendig Alles, was er jedesmal thut. Betrachtet man sein Thun objektive, also von außen, so erkennt man apodiktisch, daß es, wie das Wirken jedes Naturwesens, dem Kausalitätsgesetz in seiner ganzen Strenge unterworfen seyn muß: subjektive [zuinnerst] hingegen fühlt Jeder, daß er stets nur thut, was er will. Dies besagt aber bloß, daß sein Wirken die reine Aeußerung seines selbsteigenen Wesens ist.

Die Freiheit ist durch meine Darstellung nicht aufgehoben, sondern bloß hinausgerückt, nämlich aus dem Gebiete der einzelnen Handlungen, wo sie erweislich nicht anzutreffen ist, hinauf in eine höhere, aber unserer Erkenntniß nicht so leicht zugänglichen Region: d.h. sie ist transzendental.“

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3.2 Weitere Textbelege für Benjamin LIBETs Positionen

a) Zur Willensfreiheit

LIBET formuliert im Vorwort seines Buches das Problem wie folgt (S. 22):

„Geeignete Aktivitäten von Nervenzellen können gewiss den Inhalt oder sogar die Existenz des subjektiven Erlebens beeinflussen. Gilt auch das Umgekehrte? Können unsere bewussten Absichten wirklich die Aktivitäten der Nervenzellen beim Vollzug eines freien Willensaktes beeinflussen oder steuern?“

Und weiter:

„Wie unterscheidet das Gehirn zwischen bewussten und unbewussten geistigen Ereignissen? Schließlich ist da noch die geheimnisvollste dieser Fragen:

Wie können die physischen Aktivitäten von Nervenzellen im Gehirn die nichtphysischen Phänomene des bewussten Erlebens erzeugen [...]?
Wie kann die Lücke zwischen dem »Physischen« (dem Gehirn) und dem »Geistigen« (unseren bewussten, subjektiven Erlebnissen) überbrückt werden?“

Diese Lücke hatte bereits Friedrich SCHILLER in seiner ersten Dissertation gesehen und mit einer kühnen Konstruktion zu überbrücken versucht (1979/2004, S. 253 f.):

„Endlich muß eine Kraft vorhanden sein, die zwischen den Geist und die Materie tritt und beide verbindet. [...] Ich nenne sie Mittelkraft.“

Eine schlüssige Beweisführung gelingt ihm nicht, so dass die Gutachter seinen Aufstellungen nicht gefolgt sind. Aus zeitgenössisch-wissenschaftlicher Sicht stammende Einwände gegen diese »Mittelkraft« wehrt er jedoch ab (a.a.O., S. 254):

„Die Erfahrung beweist sie; wie kann die Theorie sie verwerfen.“

Auch LIBET ist sich nicht sicher, ob diese Fragen beantwortet werden können (S. 25):

„Es gibt keine Garantie dafür, dass das Phänomen des Bewusstseins und seine Begleiterscheinungen
in Begriffen der heutigen Physik erklärbar sein werden.“

Die gängige Position, geistige Vorgänge auf die Kenntnis der Aktivitäten von Nervenzellen zu reduzieren, sieht er skeptisch. Daran anschließend schreibt er (S. 26):

„Viele Wissenschaftler und Philosophen scheinen jedoch nicht zu verstehen, dass ihre starre Meinung, der Determinismus sei wahr, auf einem Glauben beruht. In Wirklichkeit sind sie nämlich nicht im Besitz einer Antwort.“

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b) Zur Interaktion von Gehirn und Geist

LIBET greift die eingangs gestellte Frage wieder auf, ob der Geist das Gehirn beeinflussen könne. Unsere eigenen Handlungen und geistigen Operationen könnten nämlich einen Anscheinsbeweis für eine solche umgekehrte Interaktion darstellen (S. 210).

Für eine mögliche Antwort vertieft er die oben dargestellten Überlegungen zur Emergenz und schlägt vor, das bewusste subjektive Erleben als ein »Feld« zu verstehen:

„Ein »bewusstes mentales Feld« (BMF) wäre der Vermittler zwischen den physischen Aktivitäten der Nervenzellen und dem Auftauchen von subjektivem Erleben.“ (S. 212 f.)
„Das BMF sollte ... als ein wirkliches und prüfbares Merkmal der Gehirnfunktion betrachtet werden. Man kann es sich als analog zu bekannten physikalischen Kraftfeldern vorstellen.“ (S. 213).
„Das BMF existiert nicht ohne das Gehirn. Es ist eine emergente Eigenschaft eines geeigneten Systems neuronaler Aktivitäten.“ (S. 228)

Friedrich SCHILLER kannte den Feldbegriff noch nicht und musste sich mit der unzureichenden »Mittelkraft« begnügen. Könnte LIBET die Lücke zwischen Physischem und Geistigem geschlossen haben? Er selbst schreibt entsagungsvoll-bescheiden (S. 229 f.):

„Die Emergenz bewusster subjektiver Erfahrung aus der Aktivität von Nervenzellen ist immer noch ein Geheimnis.“ [...]

„Gleichgültig, ob die BMF-Theorie richtig ist oder nicht, die Erkenntnis von neuronalen Strukturen und Funktionen kann nie an sich bewusstes Erleben erklären oder beschreiben.“ [...]“

„Außerdem ist es möglich, das einige geistige Phänomene gar keine direkte neuronale Grundlage haben, und es ist ebenfalls möglich, dass der bewusste Wille nicht immer den Naturgesetzen der physischen Welt gehorcht.“

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3.3 Der freie Wille – eine geistesgeschichtliche Skizze

Immanuel KANT konstatiert knapp und geradezu apodiktisch (1983 S. 61),

"der Mensch ist nun mehr als eine Maschine."

Edo REENTS berichtet (2008, S. N 3):

Vor einem Jahr wurde während einer Frankfurter Podiumsdiskussion über die Hirnforschung die Vermutung geäußert, dass „die Idee der Willensfreiheit nur dazu dient, die philosophischen Lehrstühle der Republik zu erhalten“, und deshalb dort die neuen Beweise der Neurowissenschaft ignoriert würden.

So habe auch schon Arthur SCHOPENHAUER geätzt (1839/1977/2007, S. 81 f.):   

„Inzwischen fehlt es auch in Deutschland nicht an Ignoranten, die alles, was seit zwei Jahrhunderten große Denker darüber (sc. den freien Willen) gesagt haben, in den Wind schlagen. [...] Doch tue ich ihnen vielleicht Unrecht; indem es seyn kann, daß sie nicht so unwissend sind, wie sie scheinen, sondern bloß hungrig, und daher, für ein trockenes Stück Brod, Alles lehren, was einem hohen Ministerio wohlgefällig seyn könnte.“

Friedrich NIETZSCHE erklärt den freien Willen zu einer Intrige der Theologen:“

„Irrtum vom freien Willen
Wir haben heute kein Mitleid mehr mit dem Begriff »freier Wille«: wir wissen nur zu gut, was er ist – das anrüchigste Theologen-Kunststück, das es gibt, zum Zweck, die Menschheit in ihrem Sinne »verantwortlich« zu machen, das heißt sie von sich abhängig zu machen...“    
Die vier großen Irrtümer, Nietzsche Werke, hrsg. von Karl SCHLECHTA, 1954, Bd. 2, S. 976 - 977).

Josef JOFFE stellt in einem Artikel über den Kreationismus im Biologieunterricht die Frage (Die ZEIT Nr. 29/2007):

„Sollen wir also nicht über Fragen nachdenken, die keine richtigen Antworten kennen?
Doch, das tun wir seit 2500 Jahren in einer Disziplin namens Philosophie.“

Noch höhnischer – und ungerechter – kann man das Ringen um die „Grund legende“ Problematik der Willensfreiheit nicht niedermachen. Deshalb soll hier ein skizzenhafter Überblick der Positionen und Autoren gegeben werden, die für die Entfaltung des Problems in der Geistesgeschichte besonders wichtig sind.  Er muss  sich jedoch auf einige weiterführende Hinweise beschränken. Wenn Sie ausführliche Informationen suchen, finden Sie eine informative und gediegene Darstellung der Thematik bei der »Freien Enzyklopädie Wikipedia«.

  • Antike Philosophie

Der Wille des Menschen und in Verbindung damit die Freiheit des Willens wird in der Philosophie der Antike vielfach und auf hohem Reflexionsniveau erörtert. Hier sind die Namen PLATON, ARISTOTELES, CICERO (Repräsentant stoischen Gedankenguts im Denken der Römer), später der Apostel PAULUS sowie PHILON zu nennen. Eine informative Übersicht finden Sie bei Albrecht DIHLE (1985). 

  • Aurelius AUGUSTINUS

Gleichwohl sieht Arthur Schopenhauer erst bei Augustinus „ein völlig entwickeltes Bewußtseyn des Problems mit allem, was daran hängt“ (1977/2007, S. 105). Erst durch ihn sei die Philosophie zum Bewusstsein des Problems erwacht (S. 114). Albrecht DIHLE bekräftigt diese Auffassung (1985, S. 138).  In seiner zusammenfassenden Würdigung schreibt er (S. 162): "AUGUSTINUS war ohne Zweifel der Erfinder des »modernen« Willensbegriffs". Dessen riesiges und epochales Werk kann hier nicht dargestellt werden. Eine Skizze seiner Gedanken zur Willensfreiheit, die er in seinem ersten Hauptwerk "De libero arbitrio" entwickelt, muss hier genügen.

o Einerseits schließt die Allmacht Gottes einen eigenen freien Willen des Menschen bei seinen Handlungen aus, 
  weil sie sie zwangsläufig determiniert. 
o Andererseits sind eigene Entscheidungen des Menschen offenkundig möglich, 
  z.B. Gott zu gehorchen oder eben nicht. 
o Deshalb muss die Fähigkeit des Menschen, sich für Gut oder Böse entscheiden zu können, 
  in Gottes Heilsplan vorgesehen sein. 

AUGUSTINUS beschreibt also die Willensfreiheit als ein von Gott verliehenes Gut. In seinem Werk "De civitate Dei" (Über den Gottesstaat) betont er (5, 9 f.), dass Gott unfehlbar voraussehe, was der Mensch wollen wird, aber nicht erzwinge, dass er dies wollen wird.

Der Religionspädagoge Hans SCHOLL hat diese Argumentationslinie in zeitgenössischer Sprache wie folgt ausgestaltet. Er schreibt (2008, S. 45):

"Ungeachtet der ontischen Abhängigkeit von Gott, ist der Mensch auf der innerweltlichen Ebene seines Lebens in der Regel frei und für sein Tun verantwortlich, so sehr ihn Schicksalsgegebenheiten einengen mögen. Verständnis dafür, daß jedes Verhalten jedes Menschen nicht anders sein kann, als es ist, muß mit der Überzeugung verbunden werden, daß jeder auch anders könnte, wenn er nur wollte. Eine praktische Konsequenz kann man aus Fatalismus und Determinismus nicht ziehen. Für den Christen ist Gottes Gebot eine allem Tun vorgegebene verbindliche Aufgabe, die zu versäumen niemandem freisteht.
     Freiheit heißt aber auch, daß der Mensch Gottes Gebot übertreten kann und Gott ihn nicht daran hindert. Er ist das Wesen, das im Gegensatz zum Tier wissen müßte, was gut und böse ist, und es oft gerade nicht weiß, sehen muß, wie er eine Richtlinie für sein Verhalten findet, und erlebt, daß diese und sein natürliches Verlangen oft nicht im Einklang sind."

  • Immanuel KANT

KANT hat sich mit dem freien Willen bzw. der Willensfreiheit immer wieder auseinandergesetzt, insbesondere in der »Grundlegung zur Metaphysik der Sitten« (z.B. 1983, Band 4, S 74 f., S. 81 ff.) sowie in der »Kritik der praktischen Vernunft«. In der Vorrede zur zweiten Auflage der »Kritik der reinen Vernunft« nennt er als große Themen der Philosophie die Freiheit des Willens zusammen mit der Unsterblichkeit der Seele und der Existenz Gottes (1983, Band 2, S. 34, ebenso auch im Text S. 672). Im dritten Widerstreit der »Antinomie der reinen Vernunft« erörtert er den Konflikt zwischen Freiheit und Kausalität (a.a.O., S. 426 ff.; s. insbesondere die Ausführungen zur „absoluten Spontaneität der Ursachen“, S. 428).

Arthur SCHOPENHAUER hat das Verdienst KANTs uneingeschränkt anerkannt, setzt sich jedoch mit dessen Ethik durchaus kritisch auseinander (Über die Grundlage der Moral, 1977/2007). Dazu liegt die Untersuchung von Margot Fleischer (2003) vor. Hervorzuheben ist SCHOPENHAUERs Lob für KANTs „Theorie der Freiheit“, (a.a.O., § 10, S. 73 ff.).

  • Arthur SCHOPENHAUER

Seine eindringende Analyse der Problematik wird oben unter Nr. 3.1 dokumentiert. Hier genügt es, auf einen Untersuchungsgegenstand hinzuweisen, der nach wie vor aktuell und – wie die Ausführungen dieser Webseite belegen – strittig ist: „Das Selbstbewusstsein ist kein Beweis für die Freiheit des Willens.“

  • Charles DARWIN

DARWIN muss unter seinen Erkenntnissen zur Evolution gelitten haben. In einer seiner Notizen schreibt er (zitiert nach Bas KAST, 2008):

„Über diese Dinge nachdenkend, zweifelt man am freien Willen, jede Handlung (scheint) determiniert durch die erbliche Konstitution (und) das Vorbild von anderen oder den Unterricht von anderen.“

  • Friedrich NIETZSCHE

NIETZSCHE hat sich schon früh mit der Willensfreiheit beschäftigt und auseinandergesetzt. Für 1862 ist eine Abhandlung über „Willensfreiheit und Fatum“ belegt. Die Stichworte »Willensfreiheit«, »freier Wille«, »Verantwortung«, »Unverantwortlichkeit« durchdringen sein Werk. Deshalb ist es nicht sinnvoll, deren gedanklichen Zusammenhang hier zu dokumentieren. Um sie zu finden, empfiehlt es sich, Band 31 der Digitalen Bibliothek mittels Suchefunktion durchzusehen.

Eine repräsentative Sentenz ist oben zitiert worden. Eine weitere, aus der bittere Verzweiflung spricht, sei hier angefügt.

„Unverantwortlichkeit und Unschuld
Die völlige Unverantwortlichkeit des Menschen für sein Handeln und sein Wesen ist der bitterste Tropfen, welchen der Erkennende schlucken muss, wenn er gewohnt war, in der Verantwortlichkeit und der Pflicht den Adelsbrief seines Menschentums zu sehen. Alle seine Schätzungen, Auszeichnungen, Abneigungen sind dadurch entwertet und falsch geworden: sein tiefstes Gefühl, das er dem Dulder, dem Helden entgegenbrachte, hat einem Irrtume gegolten; er darf nicht mehr loben, nicht tadeln, denn es ist ungereimt, die Natur und die Notwendigkeit zu loben und zu tadeln. So wie er das gute Kunstwerk liebt, aber nicht lobt, weil es nichts für sich selber kann, wie er vor der Pflanze steht, so muss er vor den Handlungen der Menschen, vor seinen eignen stehen. Er kann Kraft, Schönheit, Fülle an ihnen bewundern, aber darf keine Verdienste darin finden: der chemische Prozess und der Streit der Elemente, die Qual des Kranken, der nach Genesung lechzt, sind ebensowenig Verdienste als jene Seelenkämpfe und Notzustände, bei denen man durch verschiedene Motive hin- und hergerissen wird, bis man sich endlich für das mächtigste entscheidet – wie man sagt (in Wahrheit aber, bis das mächtigste Motiv über uns entscheidet).“
Menschliches, Allzumenschliches, Nietzsche Werke, hrsg. von Karl SCHLECHTA, Band 1, S. 513)

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4.0 Literaturnachweise

4.1 Literaturgrundlage dieses Textes

  • Thomas ASSHEUER
    Ich war es nicht!
    Die ZEIT Nr. 42 vom 11. Oktober 2007

  • Aurelius AUGUSTINUS
    De libero arbitrio
    Der freie Wille
    Eingeleitet, übersetzt und herausgegeben von
    Johannes BRACHTENDORF
    zweisprachige Ausgabe
    Paderborn 2006

  • Peter BIERI
    Das Handwerk der Freiheit
    Über die Entdeckung des eigenen Willen
    München 2001

  • ders.
    Unser Wille ist frei
    Der Spiegel Nr. 2 vom 10. Januar 2005, S. 124 – 125

  • Albrecht DIHLE
    Die Vorstellung vom Willen in der Antike
    Göttingen 1985

  • Hans Günter GASSEN
    Das Gehirn
    Darmstadt 2008

  • Jan-Christoph HEILINGER (Hrsg.)
    Naturgeschichte der Freiheit
    Interdisziplinäre Anthropologie
    Berlin 2007
    In diesem Band sind u.a. folgende Aufsätze enthalten:
    o Jan-Christoph HEILINGER 
       Einleitung: Naturgeschichte der Freiheit - S. 1 - 25

    o Jens G. REICH
       Zum Kausalitätsprinzip in der Biologie - S. 29 - 34
    o Andreas V.M. HERZ
       Neuronaler Determinismus: Nur eine Illusion? - S. 35 - 42
    o Martin Heisenberg
       Naturalisierung der Freiheit aus der Sicht der Verhaltensforschung - S. 43 - 58
    o Michael STADLER
       Der freie Wille, die Zeit und die Verantwortlichkeit - S. 117 - 132
    o Ferdinand HUCHO
       Die Ursachen der Freiheit.
       Signaltraduktion als Grundlage von Verhalten - S. 133 - 148
    o Michael PAUEN
       Ursachen und Gründe.
       Zwei zentrale Begriffe in der Debatte 
       um Naturalismus und Willensfreiheit - S. 247 - 272
    o Geert KEIL
       Mythen über die libertarische Freiheitsauffassung - S. 281 - 305
    o Georg NORDHOFF
       Freiheit und Einbettung in die Umwelt - 
       ein relationales neurophilosophisches Modell - S. 307 - 334
    o Olaf L. MÜLLER
       Die Diebe der Freiheit
       Libet und die Neurophysiologen vor dem Tribunal der Metaphysik - S.335 - 366
    o Matthias JUNG
       Natur und Kultur der Freiheit - S. 405 - 434
    o Volker GERHARDT
       Leben ist das größere Problem.
       Philosophische Annäherung an eine Naturgeschichte der Freiheit - S. 457 - 480

  • Norbert HOERSTER
    Was ist Moral?
    Eine philosophische Einführung
    Stuttgart 2008

  • Immanuel KANT
    Werke in sechs Bänden
    herausgegeben von Wilhelm Weischedel
    Band II: Kritik der reinen Vernunft
    Band IV: Schriften zur Ethik und Religionsphilosophie
    Darmstadt 1983

  • Bas KAST
    Darwin
    Die Natur der Seele
    Tagesspiegel vom 31. August 2008
    http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/Charles-Darwin;art141,2604395

  • Benjamin LIBET
    Mind Time
    The Temporal Factor in Consciousness
    Harvard 2004
    deutsch:
    Wie das Gehirn Bewusstsein produziert
    Frankfurt am Main 2005, Taschenbuchausgabe ebd. 2007
    Dazu die Besprechung von
    Christian GEYER
    Ich weiß nicht mehr, ob ich Determinist werden will
    Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 43 vom 21. Februar 2005, S. 41

  • Christian LIST
    Warum der freie Wille existiert
    Darmstadt 2021

  • Frido MANN - Christine MANN
    Es werde Licht
    Die Einheit von Geist und Materie in der Quantenphysik
    Frankfurt am Main 2017, 3. Auflage

  • dies. (Hrsg.)
    Im Lichte der Quanten
    Konsequenzen eines neuen Weltbildes
    Darmstadt 2021

  • Friedrich Albert LANGE
    Geschichte des Materialismus
    und Kritik seiner Bedeutung in der Gegenwart
    herausgegebene und eingeleitet von Alfred SCHMIDT
    Iserlohn 1866/Frankfurt am Main 1974

  • Friedrich Nietzsche
    Werke in drei Bänden
    herausgegeben von Karl Schlechta
    München 1954

  • ders.
    Als CD mit der Biographie von Curt Paul Janz
    Textgrundlage:
    Werke in drei Bänden
    herausgegeben von Karl Schlechta
    Digitale Bibliothek Band 31, zweite Ausgabe
    Berlin 2000, Directmedia

  • Endo REENTS
    Schopenhauers Determinismus
    Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 200 vom 27. August 2008, S. N3

  • Rüdiger SAFRANSKI
    Schiller oder die Erfindung des Deutschen Idealismus
    München 2004

  • ders.
    Schiller oder die Freiheit als Problem
    Festrede beim Festakt zum 200. Todestag Friedrich Schillers
    am 9. Mai 2005 im Deutschen Nationaltheater Weimar
    http://www.thueringen.de/de/tsk/aktuell/veranstaltungen/17508/index.html

  • Friedrich SCHILLER
    o Philosophie der Physiologie (1779)
    o Versuch über den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen
       mit seiner geistigen (1780)
       in:
       Wolfgang RIEDEL (Hrsg.)
       
    Sämtliche Werke in fünf Bänden
       München und Wien 2004, Band 5, S. 250 - 268, S. 287 - 324

  • Andreas SCHÖNAU
    Schnittstellenproblematik in Neurowissenschaften und Philosophie
    Willensfreiheit aus handlungstheoretischer Perspektive
    Stuttgart 2018

  • Hans SCHOLL
    Grundlinien einer systematischen Theologie
    Aus philosophischer Sicht
    Frankfurt am Main und Berlin 2008

  • Arthur SCHOPENHAUER
    Über die beiden Grundprobleme der Ethik
    Behandelt in zwei akademischen Preisschriften
    1. Über die Freiheit des menschlichen Willens
    2. Über das Fundament der Moral
    1860, 2. verbesserte und vermehrte Auflage
    in:
    Werke in zehn Bänden – Zürcher Ausgabe
    herausgegeben von Angelika HÜBSCHER
    Band VI: Kleinere Schriften Band 2
    Zürich 1977/2007

  • Wikipedia
    Freier Wille
    http://de.wikipedia.org/wiki/Freier_Wille

  • Wikipedia
    Emergenz
    http://de.wikipedia.org/wiki/Emergenz

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4.2 Weitere Literatur zum Problem des freien Willens

  • Jördis ALEX
    Implikationen der Hirnforschung für das Bewusstsein
    http://www.spinne-in-farbe.de/hirnforschung.pdf

  • Ansgar BECKERMANN
    Haben wir einen freien Willen?
    http://www.philosophieverstaendlich.de/freiheit

  • Edith und Klaus DÜSING – Hans-Dieter KLEIN (Hrsg.)
    Geist und Willensfreiheit
    Klassische Theorien von der Antike bis zur Moderne
    Würzburg 2006

  • Desiderius ERASMUS von Rotterdam
    De libero arbitrio
    Vom freien Willen (1524)
    Göttingen 1998, 7. Auflage

  • Margot Fleischer
    Schopenhauer als Kritiker der Kantischen Ethik
    Würzburg 2003

  • Christof GESTRICH – Thomas WABEL
    Freier oder unfreier Wille?
    Handlungsfreiheit und Schuldfähigkeit im Dialog der Wissenschaften
    Beiheft 2005 zur Berliner Theologischen Zeitschrift

  • Christian GEYER (Hrsg.)
    Hirnforschung und Willensfreiheit
    Zur Deutung der neuesten Experimente
    Frankfurt am Main 2004

  • Jürgen HABERMAS
    Freiheit und Determinismus
    Deutsche Zeitschrift für Philosophie 52 (2004) Nr. 6, S. 871 – 890
    auch in:
    Zwischen Naturalismus und Religion
    Philosophische Aufsätze
    Frankfurt am Main 2005, S. 155 –186

  • Ted HONDERICH
    Wie frei sind wir?
    Das Determinismus-Problem
    Stuttgart 1995
    Der Titel ist eine Kurzfassung des folgenden Hauptwerkes

  • ders.
    A Theory of Determinism
    The Mind, Neuroscience, and Life-Hopes
    Oxford 1988

  • Volker JOHST
    Die Willensfreiheit ist keine Illusion
    Naturwissenschaftliche Rundschau 60 (2007)
    Nr. 6, S. 297 – 302, Nr. 7, S. 349 – 356

  • Immanuel KANT
    Werke in sechs Bänden,
    herausgegeben von Wilhelm WEISCHEDEL
    Band VI: Schriften zur Anthropologie, Geschichtsphilosophie, Politik und Pädagogik
    Darmstadt 1983
    Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung S. 61

  • Geert KEIL
    Handeln und Verursachen
    Frankfurt am Main 2000

  • ders.
    Kausalität und Freiheit.
    Antwort auf Peter Rohs
    in:
    Allgemeine Zeitschrift für Philosophie 28 (2007) S. 261 - 271

  • ders.
    Willensfreiheit
    Berlin 2007

  • Kristian KÖCHY – Dirk STEDEROTH (Hrsg.)
    Willensfreiheit als interdisziplinäres Problem
    Freiburg und München 2006

  • Achim LOHMAR
    Moralische Verantwortlichkeit ohne Willensfreiheit
    Frankfurt am Main 2005

  • Martin LUTHER
    De servo arbitrio
    Über den unfreien Willen (1525)
    Weimarer Ausgabe 18, 600 – 787
    Deutscher Erstdruck 1526
    Das der freie Wille nichts sei
    Antwort D. Martini Luther an Erasmum Roterdam

  • Reinhard Merkel
    Willensfreiheit und rechtliche Schuld
    Eine strafrechtsphilosophische Untersuchung
    Baden-Baden 2008

  • Michael PAUEN
    Illusion Freiheit?
    Mögliche und unmögliche Konsequenzen aus der Hirnforschung
    Frankfurt am Main 2004

  • ders.– Gerhard ROTH
    Freiheit, Schuld und Verantwortung
    Grundzüge einer naturalistischen Theorie der Willensfreiheit
    Frankfurt am Main 2008

  • Oskar Robert PFISTER
    Die Willensfreiheit
    Berlin 1904

  • Max PLANCK
    Vom Wesen der Willensfreiheit und andere Vorträge
    Frankfurt am Main 1990

  • Michael ROSENBERGER
    Determinismus und Freiheit
    Das Subjekt als Teilnehmer
    Darmstadt 2006

  • Gerhard ROTH
    Das Gehirn und seine Wirklichkeit
    Kognitive Neurobiologie und ihre philosophischen Konsequenzen
    Frankfurt am Main 1997

  • ders. – Klaus-Jürgen GRÜN (Hrsg.)
    Das Gehirn und seine Freiheit
    Beiträge zur neurowissenschaftlichen Grundlegung der Philosophie
    Göttingen 2006

  • Gottfried SEEBASZ
    Handlung und Freiheit.
    Philosophische Aufsätze
    Tübingen 2006

  • Dieter STURMA
    Philosophie und Neurowissenschaften
    Frankfurt am Main 2006

  • Günter TEICHERT
    Einführung in die Philosophie des Geistes
    Darmstadt 2006

  • Daniel von WACHTER
    Die kausale Struktur der Welt
    Eine philosophische Untersuchung über Verursachung, Naturgesetze,
    freie Handlungen, Möglichkeit und Gottes Rolle in der Welt
    Vorabdruck München 2007 unter
    http://epub.ub.uni-muenchen.de/1975/1/wachter_2007-ursachen.pdf
    Der Inhalt dieses Werkes wird in zwei Büchern unter voraussichtlich folgenden Titeln erscheinen:
    Die kausale Struktur der Welt
    Die kausale Rolle Gottes in der Welt

Die zusammenfassende Literaturgrundlage für das Thema Werte-Erziehung finden sie hier:  Literaturgrundlage

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Ausgearbeitet von:     Dr. Manfred Rosenbach -       letzte Änderung am: 21.04.23
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