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Evaluation

- Modebegriff oder Perspektivenwechsel? -

1.0 Warum ein neuer Begriff?

Das herkömmliche Verständnis des Handlungsfeldes „Kontrolle und Beurteilung des Lernerfolgs" bleibt in der Regel auf eine einzige Dimension beschränkt:

Lehrer bewerten die Leistungen von Schülern mit Zensuren.

Auf den Webseiten „Was soll Zensurengebung leisten" sowie „Leistungsbeurteilung - Aufgaben und Funktionen" wird jedoch in Begriffen wie „Rückmeldung" und „Diagnostik" sichtbar, dass diese Sichtweise eng und flach ist. Sie wird den komplexen Aufgaben von Schule nicht gerecht.

Auf dieser Webseite soll daher versucht werden, dort erwähnte Sichtweisen zu vertiefen und ausdrücklich darzustellen. Dazu kann insbesondere der Begriff „Evaluation" mit seiner inhaltlichen Entfaltung dienen.

2.0 Begriffe sind Deutungen

In der Bundesrepublik Deutschland werden jährlich mehr als 100 Milliarden DM für das Schulwesen ausgegeben. Rechnen Sie nach. Das Statistische Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland, Ausgabe 2000, S. 367, 390, 393, weist für 1997 ca. 12,7 Mio. Schüler sowie Ausgaben von DM 8.200 pro Schüler aus.

Staat und Gesellschaft einerseits, Lehrer, Schüler und - nicht zuletzt - Eltern andererseits investieren in das System Schule außerordentliche Anstrengungen. Deshalb ist es nicht nur legitim, sondern auch erforderlich, alle Leistungen von Schülern, Lehrern und Schule

  • aufgabengemäß und problemgerecht zur Kenntnis zu nehmen,
  • sach- und personengerecht zu würdigen und zu bewerten,
  • diese Bewertung in förderlicher Weise rückzumelden,
  • die Qualität der erbrachten Leistungen zu sichern,
  • realistische Ziele für die weitere Entwicklung dieser Qualität zu formulieren
  • und für die Erfüllung dieser Aufgabe gangbare Wege zu finden.

Diese Sichtweise interpretiert die Aufgabe von Leistungsbewertung umfassend und zugleich konstruktiv-funktional, ohne auf Leistung und deren Qualität zu verzichten. Dafür ist der Begriff „Evaluation" üblich geworden.

Das lateinische Verbum „evalescere" bedeutet „vermögen, wert- und imstande sein", das davon abstammende französische Verbum „evaluer" ist ursprünglich ein Fachwort des Steuerwesens (so BECKER, VON ILSEMANN, SCHRATZ, 2001, S.5) und bezeichnet das Einschätzen und Bewerten von Immobilien. „Evaluation" bezeichnet allgemein die Bewertung bzw. die Bestimmung des Wertes, als Fachwort der Soziologie bedeutet es die Beurteilung, insbesondere die von Lehrplänen und Unterrichtsprogrammen (so DUDEN, Fremdwörterbuch, und KYTZLER, Unser tägliches Latein).

Bewerten setzt immer Maßstäbe und Standards voraus - auch im Bildungswesen. Zumal im System Schule bezeichnet Evaluation zwei unterschiedliche, aber miteinander zusammenhängende Aufgaben:

  • das Überprüfen der Erfüllung vorgegebener Normen,
  • das Bemühen, die Qualität von Prozessen und Ergebnissen zu verstehen.

3.0 Folgerungen für didaktisches und erzieherisches Handeln

Der Gesamtkomplex „Evaluation" ist hier nicht darzustellen. Eine praxisbezogene, dabei differenzierte Einführung geben
Gerold BECKER - Cornelia VON ILSEMANN - Michael SCHRATZ  
im Jahresheft XIX, 2001 des Friedrich Verlages:

Qualität entwickeln: evaluieren

 Ausgehend von dem zentralen Begriff der Rückmeldung beschreiben die Autoren vier Ebenen:

  • Schüler brauchen Rückmeldung
  • Lehrer brauchen Rückmeldung,
  • Schulen brauchen Rückmeldung,
  • Systeme brauchen Rückmeldung.

Zumal Sie, Lehrerinnen und Lehrer in der Ausbildung, finden vor allem in den beiden ersten Kapiteln vielfältige Informationen, Anregungen und Vorschläge. Diese können es Ihnen erleichtern, die oftmals lähmende Wirkung der Zensurengebung zu überwinden und statt dessen Leistung freizusetzen - bei Ihren Schülern und bei sich selbst.

Besondere Aufmerksamkeit verdient der sog. „Methodenkoffer". Er bietet einen ausführlich erläuterten Satz an Methoden und Instrumenten für die Selbstevaluation schulischen Lernens und Lehrens. Die dort vorgestellten Fragebögen und Checklisten scheinen insbesondere geeignet, sie für die Auswertung des Lernerfolgs im Rahmen der Schriftlichen Prüfungsarbeit einzusetzen.

Umfangreiche aktuelle, z.T. kommentierte Literaturangaben machen vertiefende Informationsgewinnung leicht.

Abschließend ein wichtiger Hinweis. Aus Sachgründen beschränkt der Verfasser die Aussagen dieses Bausteins auf die Aspekte der persönlichen Arbeit. Evaluation entfaltet ihre Vorzüge jedoch erst dann vollständig, wenn eine Schule insgesamt und gemeinsam deren Prinzipien und Verfahren anwendet.


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Ausgearbeitet von:     Dr. Manfred Rosenbach -        letzte Änderung am: 15.01.08
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