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Gütekriterien

Reliabilität und Validität

1.0 Gütekriterien sind notwendig

1.1 Die Begriffe

Die Begriffe „reliability" und „validity" werden in der Fachsprache nicht einheitlich verwendet.
Erst recht gilt das für deren Übertragung in die Begriffe „Zuverlässigkeit" und „Gültigkeit".
Sie sind nicht aus sich selbst verständlich; also bedarf es für ihre Bedeutung und Verwendung einer Übereinkunft.

Die folgenden Ausführungen schließen sich zunächst LIENERT (1969) und INGENKAMP (1985), im weiteren (Nr. 2.3 f.) SCHRÖDER (1976), S. 72 ff.) an.

1.2 Gütekriterien

Neben der Objektivität, die auf der Webseite "Das Problem der Objektivität" gesondert behandelt ist, sind Zuverlässigkeit und Gültigkeit die zentralen Gütekriterien der Testtheorie, also auch der Leistungsbeurteilung von Schülern. Bei jedem Untersuchungsverfahren kommt es sowohl auf seine formale als auch auf seine inhaltliche Genauigkeit an.

2.0 Definition und Funktion der Kriterien

2.1 Reliabilität - Zuverlässigkeit

Begriff und Kriterium „Zuverlässigkeit" bezieht sich auf das Verfahren einer Messung oder Untersuchung. Ein Untersuchungsverfahren ist dann zuverlässig, wenn es das Merkmal genau, exakt misst, das es messen soll. Eine Wiederholung der Messung müsste also zu gleichen Ergebnissen führen. Eine Messung kann jedoch nicht zuverlässiger sein als die Stabilität des untersuchten Merkmals.

Kein Messverfahren kann absolut genau sein, immer ist ein verfälschender Anteil enthalten. Über den Grad der Zuverlässigkeit gibt der „Standardmessfehler" Auskunft; die Einzelheiten bei GAUDE-TESCHNER (1973), S. 123 ff. oder bei LIENERT (1969), S. 451 ff.

2.2 Validität - Gültigkeit

Begriff und Kriterium „Gültigkeit" bezieht sich auf den Gegenstand einer Messung oder Untersuchung. Ein Untersuchungsverfahren ist dann gültig, wenn es das Merkmal misst, das es messen soll - und nichts anderes.

Untersuchungsverfahren sind nie allgemein, sondern immer nur spezifisch gültig. Für die Gültigkeit gibt es eine Reihe von Gegenstandsbereichen; sie brauchen hier nicht im Einzelnen vorgestellt zu werden.

Für die Praxis des Unterrichts ist jedoch die Inhaltsgültigkeit (curriculare Gültigkeit) besonders bedeutsam. Eine Lernzielkontrolle soll sich möglichst genau auf den erteilten Unterricht und dessen Ergebnisse beziehen. Das wird  übrigens auch durch die Ausführungsvorschriften über schriftliche Klassenarbeiten ausdrücklich vorgegeben, vgl. die entsprechende Webseite.

2.3 Zwischenergebnis

Aus alledem folgt:

  • Der Begriff Zuverlässigkeit betrifft die angewandten Verfahren,
  • der Begriff Gültigkeit betrifft die ermittelten Ergebnisse.

Ein Verfahren ist also zuverlässig, wenn es zu gültigen Ergebnissen führt.

Danach ergibt sich folgende Zusammenstellung von Begriffen:

Zuverlässigkeit Gültigkeit
betrifft das Verfahren:
   - Methode
   - Ermittlung
   - Untersuchung
   - Rechnen
betrifft das Ergebnis:
   - Urteil
   - Aussage
   - Gutachten
   - Resultat

3.0 Prüfung der Objektentsprechung

Damit ein Verfahren zuverlässig sein und gültige Ergebnisse erbringen kann, muss es dem Untersuchungsgegenstand entsprechen, d.h. objektiv sein (die Einzelheiten finden Sie  auf der Webseite „Das Problem der Objektivität").

Dazu sind folgende Fragen zu beantworten:

3.1 Zuverlässigkeit des Verfahrens

  • Ist das angewandte Verfahren valid -
    geht es tatsächlich den zu bestimmenden Persönlichkeitsbereich
    und sonst nichts an?
  • Ist das angewandte Verfahren reliabel -
    geht es den zu bestimmenden Persönlichkeitsbereich genau an?

3.2 Gültigkeit des Urteils

  • Ist das Urteil valid -
    betrifft es tatsächlich den zu beurteilenden Persönlichkeitsbereich?
  • Ist das Urteil reliabel -
    bestimmt es den zu beurteilenden Persönlichkeitsbereich genau?

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Ausgearbeitet von:     Dr. Manfred Rosenbach -        letzte Änderung am: 15.01.08
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